vom schatten ins licht
Wie ein unscheinbares 30er-Jahre-Haus im Kölner Süden durch Steves & Borsum Architekten zu einem hellen Familienheim mit historischem Charme wurde.
Einige Kölner Wohnviertel werden von Reihenhäusern der 1930er-Jahre geprägt. Sie entstanden als praktische, erschwingliche Wohnformen und gelten heute oft als unscheinbar. Mit einem sensiblen Umbau lässt sich ihr ursprünglicher Charme jedoch wieder sichtbar machen –
und zugleich ein modernes, großzügiges Wohnerlebnis schaffen. Ein Projekt im Kölner Süden zeigt, wie ein in die Jahre gekommenes Haus zu neuem Leben erwacht.
Das Objekt war ein typisches Beispiel seiner Art: Jahrzehntelange Veränderungen hatten den klaren Proportionen und hellen Räumen des Hauses zugesetzt. Nachträgliche Eingriffe und unpassende Materialien überlagerten das einst stimmige Bild der 1930er-Jahre. Ziel des Umbaus war es, die historische Anmutung zurückzuholen und zugleich zeitgemäße Großzügigkeit zu schaffen. Ein entscheidender Eingriff betraf die Gartenfassade: Liegende Fenster wurden durch schlanke, vertikale Holzfenster mit klassischer Sprossenteilung ersetzt. Dieser Schritt veränderte nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch das Innenleben: Die Räume erhielten neues Licht, die Wirkung von Straßen- bis Gartenseite wurde transparenter und freundlicher.
Innen galt es, kleinteilige Strukturen aufzulösen. Geschlossene Zimmer wichen fließenden Raumfolgen. Besonders prägend ist die Verbindung von Küche, Ess- und Wohnbereich: Neue Holzschiebetüren schaffen Durchblick vom Eingangsbereich bis in den Garten. So entstand Großzügigkeit und ein völlig neues Raumgefühl. Das Dachgeschoss erhielt ein großzügiges Dachflächenfenster, das das Treppenhaus von oben bis ins Erdgeschoss erhellt. Das ehemals dunkle Zentrum des Hauses verwandelte sich in eine helle, offene Achse, die nun alle Geschosse miteinander verbindet.
Ausgangspunkt: ein unscheinbares Reihenhaus
Der Umbau orientierte sich an authentischen Materialien. Im Erdgeschoss wurde ein freigelegtes Fischgrät-Parkett aufgearbeitet. Obergeschosse erhielten sanierte Dielen oder historische Pitch-Pine-Dielen – typische Kiefer aus Nordamerika. Neue Innentüren im Stil der 1930er-Jahre komplettieren das Bild. Auch die Bäder wurden zeittypisch gestaltet: Metrofliesen und klassische Armaturen erinnern an die Bauzeit, bieten aber modernen Komfort. Baubiologische Qualität stand im Fokus: Kalkputze, Kalkspachtel und Silikatfarben, sowie Dämmung der Fensterlaibungen mit Kalziumsilikatplatten sorgen für ein gesundes Innenraumklima.
Die Raumaufteilung folgt den Bedürfnissen der vierköpfigen Familie. Im ersten Obergeschoss liegt die Elternetage mit Schlafzimmer, Bad, Ankleide und Arbeitszimmer. Das Dachgeschoss beherbergt die Kinderzimmer mit eigenem Bad und ein Gästezimmer. Alle Räume sind hell, funktional und harmonisch in das Gesamtkonzept eingebunden.
Aus dem verschachtelten, unscheinbaren Reihenhaus ist ein lichtdurchflutetes, großzügiges Familienheim geworden, das die Qualitäten der 1930er sichtbar macht. Das Projekt von Steves & Borsum zeigt, wie viel Potenzial selbst in scheinbar verbauten Bauten
steckt – wenn historische Spuren freigelegt, Materialien respektiert und Räume mutig geöffnet werden. Das Ergebnis: Ein Haus, modern und zugleich so authentisch, als sei es immer schon so gewesen – stimmig und voller Leben.
.
Architekt Steves & Borsum Architekten, Köln
Lage Köln
Baujahr 30er Jahre
Fertigstellung 2022
Fenster/Innentüren Historische Holzarbeiten Marek Bulczak, Köln
Fliesen/Naturstein Du Pradal Concepts, Bonn-Bad Godesberg
Parkett Alfred Thomanek Parkett, Köln
Sanitär Roland Schröck Heizung, Köln
Gaube/Fensterbänke Richter & Feiler Bedachungen, Köln
Fotos: Steves & Borsum Architekten