Hauslust teil 11-Wieder geister im Haus

Bei der architektmitderpuppe ist richtig was los. Professor Christian Heuchel hat sein Büro umfirmiert, es heißt jetzt Urbanlust. Eine Anspielung auf seine Kolumne Hauslust in ARCHITURA? Van Heuchel, der Alte Ego, beschäftigt sich mit dem Geist der Baukunst und hat sich und seinen Doppelgänger mit dem Architekten Wilhelm Riphahn verschmolzen. KI sei Dank.

Verlassene Häuser haben etwas Geheimnisvolles. Alles, was vom Leben erzählt, die Seele, ist mit dem Auszug verflogen. Tische, Stühle, Lampen, Schränke mit Tellern und Tassen, Bildern und Büchern – selbst Fernseher, Fernbedienung und Zeitungsprogramm sind verschwunden. Die Küche, die Bäder und Abstellkammern liefern keine Alltagsgeschichten mehr. Nur die Architektur bleibt als verstaubender Raum. Wie schnell geht alles verloren, ist unbewohnt und kalt?

Auch die Blicke der Nachbarn über die Zäune in den Garten bleiben aus. Neugierig ist man schon, auf die Personen, die dieses Haus bevölkerten. Wie ihre großen Ideen an gedeckten Tischen geformt wurden. Ihre Lieder aus der Badewanne in den Alltag fanden. Ihre Worte in die Ritzen des Gemäuers einsickerten. Das Parfum ihrer Epoche den Raum erfüllte.

Beim Betreten des Hauses spürt man, wie der ehemalige Besitzer des Nachts unbemerkt auftaucht und sich in sein Haus schleicht. Er wandert durch seine Zimmer, raucht vor seinem kalten Kamin, bevor er wieder Ruhe findet. Ein Geist auf leisen Sohlen auf der Suche nach seinen geheimen Verstecken – unter den Böden, in den Löchern der Wand. Hohlräume gefüllt mit Gold und Silber, der Weltformel und ungelöster Versprechen.

In seinem Geflecht aus Ideen und Plänen soll die Welt genesen. In seinen Werken, in denen sich Farben und Formen zu einem rätselhaften Puzzle fügen, spinnt er Schleier des Geheimnisvollen. Behutsam erwärmt er die Mauern des Hauses mit dem Atem des Lebens. Geschichten verschmelzen mit anderen Geschichten, während der Baukünstler sich auf die geistige Aufladung des Hauses konzentriert. In der Gestaltung seiner Räume offenbart sich die therapeutische Couch des Baumeisters. Der Sinn des Lebens.

Wir haben längst erkannt, wie unsere Gestaltungskunst in der DNA unserer Gebäude verankert ist. Erfahrungen, die sich in den tiefsten Winkeln unserer neuronalen Netze, den Fundamenten des Denkens, verfestigen. Wir reagieren auf die Herausforderungen unserer Zeit, genau wie die Generationen vor uns und die folgenden Generationen es tun werden.

Heutzutage stehen die Werke der Baumeister wie sinnlose Monumente da und die Erben suchen den Prozess, der ihnen zugrunde liegt. Es hilft das Ritual der Geisterbeschwörung in der Nähe von Kerzenlicht oder im Schein des Mondes. Die Teilnehmer halten Hände in der Hoffnung die Geister zu spüren. Auch wenn die Geisterwelt ein Rätsel bleibt.

Möge sich das Haus und die Familie enthüllen, so wie sie einst waren.


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